Sounddesign zu Music for 18 Musicians

Was war das für eine fantastische Aufführung von Music for 18 Musicians in der Kölner Philharmonie und was für ein schöner Ort, um dieses Werk wieder aufzuführen.

Das Werk Music for 18 Musicians von Steve Reich wird zu einem der wichtigsten Werke der Musik der 2. Hälfte des 20. Jahrhundert’s gezählt. Wurde es bisher als ein Meisterwerk des musikalischen Minimalismus beschrieben, wird es in der neueren Literatur als „postminimalistisch“ vermerkt. Soweit die musikgeschichtliche Einordnung.

Der Aufführungsort gehört für mich zu jenen, die mich bisher am längsten begleitet haben. Ich habe die Konzerte und Aufführungen nicht gezählt, aber es werden einige gewesen sein in den letzten 30 Jahren.

Ja, und es war mir eine ausgesprochene Freude mit Music for 18 Musicians wieder in der Kölner Philharmonie zu sein. Aber was macht es so besonders für mich als Sound Designer an diesem Ort und mit diesem Werk zu arbeiten?

Es ist die Geometrie des Raumes, vereinfacht gesagt, ausgerichtet wie ein Amphitheater. Aber dann doch auch mit vielen akustisch abgesetzten Bereichen - die oberen Publikumsblöcke links und rechts und auch der Zuschauerbereich hinter der Aufführungsfläche. D.h., der Saal erscheint zunächst als sehr akustisch, ist dann aber aufgrund seiner Größe (bis zu 2.000 Zuhörer) doch ein Saal, bei dem man mit einem ausgefeilten Sound Design vieles besser und/oder überhaupt hörbar machen kann.

Und genau das ist das Erfolgsrezept für das Sound Design bei Music for 18 Musicians, ”to show everything and not overperform”. Das bedeutet, das ganze Ensemble war mikrofoniert, einige Instrumente mit bis zu drei Mikrofonen, die aber nicht immer alle zu 0 dB in den Mix eingegangen sind. Interessant ist z.B., wie behandle ich die Bass- Klarinetten, Stimmen und Streichinstrumente? Oder, welche Patterns müssen gezeigt werden, weil sie für das Verständnis des Werkes wichtig sind? Werden diese nur als Einleitung und über wieviel Takte gezeigt?

Hilfreich und/oder unerlässlich ist hier für mich die Literaturkenntnis, das Partitur-Studium und das Gespräch mit den Aufführenden. Und in diesem Fall habe ich das wunderbare, fantastische Glück, einige Konzerte mit dem Komponisten Steve Reich selbst aufgeführt zu haben. Stilprägend war sicher das Konzert in Tokio 2008.

Wichtig ist aber auch, Hörbarkeiten auf der Bühne zu schaffen, d.h. wie hören sich die Musiker untereinander. Da ist die Aufstellung der Musiker/Instrumente entscheidend und nicht zuletzt ein detailliertes Monitoring. Bei dem vor allem gilt: ”Don't show everything, but show everything that is important at the right time.”

Das Konzert in der Kölner Philharmonie war ein riesiger Erfolg, standing ovations und das direkt nach Abklingen des letzten Klanges.

Ich freue mich sehr auf die nächste Aufführung von Music for 18 Musicans, vielleicht mit Steve Reich persönlich und/oder an einem anderen außergewöhnlichen Ort.

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