The Desert Music

STEVE REICH (*1936)
The Desert Music für 10 Stimmen und Orchester (1983)
auf Texte von William Carlos Williams

Mitwirkende
Synergy Vocals
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Norbert Ommer, Klangregie
David Robertson, Leitung

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Steve Reich, der Protagonist der "Minimal Music" wird im Oktober 80 Jahre alt. Die musica viva und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ehren den großen amerikanischen Komponisten mit der Aufführung seiner Desert Music, 1983 geschrieben für großes Orchester und Vokalensemble auf Texte von William Carlos Williams. Die Desert Music wird erstmals in München präsentiert.

Der Begriff "Minimal Music" sei für ihn lediglich eine Schachtel, sagt Steve Reich auf die Frage, ob er sich mit diesem Terminus jemals anfreunden konnte: "Stellen Sie sich vor, wir besuchen Debussy in Paris, öffnen seinen Sarg und fragen ihn, ob er Impressionist war. Er sagt wahrscheinlich 'merde'". Nein, den Begriff Minimal Music mag Steve Reich wirklich nicht, aber wenn den Leuten sonst nichts zu seiner Musik einfalle, dann sollen sie ihn eben verwenden, meint er. Sein rund vierzigminütiges Orchester- und Chor-Stück "The Desert Music" von 1983 ist tatsächlich eher eine Art "Maximal Music", die mit ihren permanenten Takt- und Metrumwechseln und den jazzigen Melodiefiguren hohe Anforderungen an die Musiker stellt. Inspiriert wurde das Werk von Gedichten William Carlos Williams', die auch in Fragmenten den gesungenen Text des Werks bilden. "Die Gedichte von Williams waren immer sehr wichtig für mich", sagt Steve Reich. "Und da gibt es diese Zeile: Bisher hat der Mensch überlebt, weil er zu unwissend war, um zu wissen, wie seine Wünsche zu verwirklichen wären. Nun, da er sie verwirklichen kann, muss er sie entweder ändern oder zugrunde gehen." Reich und Williams beziehen diesen Text auf den Atombombenabwurf der USA auf Hiroshima, der sich in diesem Jahr zum 70. Mal jährt. So ist "The Desert Music" auch ein Stück über die Grenzen der Menschheit - so aktuell wie 1983...
(Auszüge aus einem BR Interview mit Steve Reich)

Mein Sounddesign zu ”The Desert Music” basiert auf den Erläuterungen aus der Partitur (s.a. nachfolgende Partiturseite).

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Hierbei war allerdings zu bedenken, dass diese Beschreibung aus der Anfangszeit des Werkes war, also Anfang der 90er Jahre.
Was folgte war zunächst eine technische Adaption in das Jahr 2016. Nach Sichtung der Partitur und aus Erfahrungen mit dem Komponisten Steve Reich und früheren Aufführungen, wie z.B. ”Music for 18 Musicians”, Tehillim” , ”Three Tales” oder ”The Cave”, um nur einige zu nennen, konnte ich diese Adaption durchführen, sie erweitern und vor allem auch Einfluß auf den Aufbau der Orchesters nehmen.
Wenn man sich die Besetzung wie nachfolgend anschaut ... :

The piece is scored for a chorus of 27 voices: nine sopranos, and six each of altos, tenors and basses.
The orchestra calls for:
4 flutes (doubling on 3 piccolos), 4 oboes (doubling on 3 cor anglais), 4 B♭ clarinets (doubling on 3 B♭ bass clarinets), 4 bassoons (doubling on 1 contrabassoon)
4 horns, 4 trumpets (doubling on 1 optional piccolo trumpet), 2 trombones, bass trombone, tuba.
2 timpani players, both doubling on rototoms, 7 percussionists (playing 2 marimbas, 2 vibraphones, 2 xylophones, 2 glockenspiels, maracas, sticks, 2 bass drums, medium gong).
2 pianos, played by four musicians
The strings (12-12-9-9-6) are broken into three sections of (4-4-3-3-2) seated by their section with the first set of 16 players stage right, the next 16 center stage, and the last 16 stage left.

... erkennt man sofort, dass man nicht über eine klassische Aufstellung des Sinfonieorchesters nachdenken muss, sondern Anleihen in der Jazz- und Popular Musik zu finden sind. Dies bedeutet daher auch im Umkehrschluss die Verwendung
eines elektroakustischen Managementsystems auf der Bühne. Dieses System habe ich speziell für diese Aufführung in München designt. Der Ansatz war hier die Schaffung von neuen Hörbarkeiten bei den Aufführenden, um ein perfektes Zusammenspiel möglich zu machen und das bei den für diese Art von Musik eher akustisch eskalierenden Eigenschaften des Raumes. Als ich ein vielversprechendes Setup für das Orchester und die Solisten gefunden hatte, konnte ich mich dem Aufführungsraum nähern.

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Da alle Maßnahmen zur Verminderung der Raumakustik verwehrt waren, konnte ich nur in Elektroakustik arbeiten und denken. Für die Aufführung habe ich dann ein D&B Lautsprechersystem designen können, welches an vielen Positionen im Raum installiert wurde. Beeinträchtigt wurde diese Installation nur durch die geringe Raumausstattung mit Riggingpunkten.

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...Das Stück, bei dem jederzeit die Bombe hochgehen kann, präsentieren Robertson, das BR-Symphonieorchester sowie das zehnköpfige Ensemble „Synergy Vocals“ mit großartiger Intensität, unter der perfekten Klangregie von Norbert Ommer. Als Steve Reich danach die Bühne betritt, reagiert das Publikum mit frenetischem Applaus, mit minutenlangen Standing Ovations...
(Ausschnitt aus einer Kritik der Münchner Abendzeitung)

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Text: Norbert Ommer; Bilder: Astrid Ackermann, Norbert Ommer